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Metamorphosen des Irdischen
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Metamorphose des Irdischen



„Die Naturwerke sind immer wie ein frisch ausgesprochenes Wort“, schreibt Goethe an die Herzogin Luise.


Goethe war schon als junger Mann im Ilmenauer Bergbau tätig. Er untersuchte die Erdschichten. Er bestieg die hohen Gipfel und kroch in die Tiefen der Erde, um „der großen formenden Hand nächste Spuren zu entdecken“.


Kalk, Granit, Porphyr usw., die Metalle: Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei; Kohle, Graphit, Diamant; Edelsteine; Gesteine aller Art --- sind wie Töne. Auf welche Weise, in welchen Intervallen, mit was für einem Tempo sie angeschlagen werden, darauf kommt es an.



Es gilt, den toten End-Akkord in die Sphärenharmonien zurückzuführen. Nicht darum handelt es sich, ein System zu bilden, das nur im Intellekt des Menschen existiert, sondern die Sprache der Natur selber zu vernehmen. Sie ist schöpferisch. Sie spricht sich selber aus. Sie verkündet an und für sich ihr System. Die Gesetze, die in ihr wirken, kommen im Anorganischen nicht überall zum Vorschein. Sie vermögen in dem Gestein, das leblos ist (das Gewordenes, das früher freilich auch ein Werdendes war, aber jetzt verschüttet und verfallen, von dem tätigen Schöpferwillen verlassen ist; als Leichnam der Götter), nicht mehr mit ihrer Ursprungskraft zu wirken.


Aber ihre einstmalig sichtbare Wirksamkeit schaut in all den Formen und Formationen, in den Wundergebilden der Kristalle, in rhombischen und rhomboidischen Schichten, in dem ideellen Gitterwerk, welches das Gesteinsreich durchzieht, das aber nicht mehr überall für das physische, sondern nur noch für das Geistesauge sichtbar ist.


1


„Die unorganische Form“, so Rudolf Steiner, indem er Goethes Ansicht präzisiert, „ist in der Erscheinung nicht sinnlich-übersinnlich, sondern nur sinnlich; sie muß aber als Wirkung einer übersinnlichen Kraft aufgefaßt werden“. (GA 6, S. 195)


Der Granit als unerschütterliche Feste ruht in sich selbst. Er ist weder durch Feuer- noch durch Wasserwirksamkeiten (mögen diese noch so gewaltig und gewaltsam sein) in seinem Entstehen erklärbar, sondern nur aus sich selbst. Jetzt ist er ein Gewordenes. Wie muß er einstmals als Werdendes gewesen sein? Da waren in ihm noch Kräfte tätig, die sich später zurückgezogen haben. Wo sind diese nunmehr zu suchen? Wirken sie in verwandelter Art weiter? Und wie?


In den Weltepochen, wo die Granit-bildenden Kräfte wirksam waren, war die Erde noch nicht wie heute verfestigt. Sie bildete eine weichere Grundmasse. Mineralien und Metalle waren flüssig und trugen noch mächtigere Bildungsprinzipien in sich. Die Erde war noch eines mit übrigen Planeten des Sonnensystems, und deren Kräfte waren innerhalb dieses einheitlichen Weltkörpers wirksam.


Als sich das Planetensystem auseinanderlegte und Sonne, Mond und Erde nach und nach sich voneinander sonderten, da zogen sich gewisse Kräfte von der Erd-Bildung zurück. Die Kruste verdichtete sich immer mehr. Diesen Stufenvorgang vermag das Geistesauge durchaus an den Gesteinsarten abzulesen. Und mit der Erde verhärteten sich auch ihre Geschöpfe, die bisher im weicheren Material gelebt hatten. Der Mensch selbst wurde irdisch. Er verfestigte sich mit der Erde. Aber in ihm (und hiermit kommen wir auf die Frage zurück: Wirken diese Gesteins-formierenden Kräfte in verwandelter Weise immer noch?) war jener Ursprung, der in der Gestirnswelt urständet, immer noch wirksam.


2



Die Formgewalten, die ehemals die Gebirge gebildet haben und nun (wörtlich genommen) zu den Gestirnen zurückgewichen sind, bringen von dorther immer noch den Menschen hervor, indem sie, vom Kosmos her wirkend, ihn im Mutterleibe bilden, zur Geburt bringen und ihm das Knochengerüste einbauen, derart daß sie ihm nach und nach die „Aufrechterhaltung“ verleihen. Sie stellen ihn vertikal zwischen Himmel und Erde. Sie geben ihm „Gestalt“.


Die Alten hatten noch einen Instinkt für diese Wirksamkeiten, wenn sie die Himmelslinie, welche die Sonne durchläuft, den Tierkreis nannten und die einzelnen Sternengruppen bildhaft darstellen. Denn die Kräfte, die von hier aus wirken, geben den Tieren, aber in einseitiger Weise, ihre Körperformen, während sie den Menschen allseitig formen. Was früher die ganze Erde zu Gebirgszügen furchte, die hauptsächlich von Osten nach Westen und von Norden nach Süden verlaufen und derart ein Kreuz vorbilden, das wirkt nun so, daß dem Kinde die Möglichkeit gibt, sich aufzurichten.

Der Mensch ist unabhängig geworden von der mineralischen Welt. Er bewegt sich darin frei. Ja, er kann den Grund, auf dem er schreitet, bearbeiten.

Die grandiosen Formen, die unserer Erde eingezeichnet sind, sind vielfach verschoben, verschüttet, vulkanisch verschmolzen und erosiert worden, aber die Bildekräfte, die einstmals in ihnen mit Schöpfermacht in vollem Maße gewaltet haben, sind noch wirksam im Knochenbau. Die Urtöne, die Sphärenklänge, die Sternenwege lassen sich an diesem noch ablesen. Sie bringen den Menschen zur Geburt; sie ziehen sich von ihm zurück, so daß die Schwerkraft der toten Erde und nichts anderes mehr wirkt; er sinkt ins Grab. Er müßte - auferstehen, selbst wenn er ans Kreuz geschlagen worden wäre, er müßte jene Kräfte besitzen, die in der Erde wirksam waren, als diese noch mit der Sonne verbunden war, die Sonnenkräfte, er müßte ein Sohn der Sonne selber sein.

3


„So gestehe ich gern,“ äußert Goethe sich einmal in einem Brief, „daß ich da noch oft simultane Wirkungen erblicke, wo andere schon eine sukzessive sehen; daß ich in manchem Gestein, das andere für ein Konglomerat, für ein aus Trümmern zusammengeführtes und zusammengebackenes halten, ein aus einer heterogenen Masse in sich selbst Geschiedenes und Getrenntes und sodann durch Konsolidation Festgehaltenes zu schauen.“

>Hier ruhst du unmittelbar auf dem Grunde, der bis zu den tiefsten Orten der Erde hinreicht...<. (Goethe)


Dieses Wesen, der Mensch gewordene Gott, Gottessohn und Menschensohn in einem, der schuldlos ist, dem man nicht wie den Verbrechern, nach altem Brauche, die Knochen zerbrach, nachdem er gekreuzigt worden, ist Christus, <das Licht der Welt>.









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Auszüge aus einem Aufsatz von Albert Steffen, veröffentlicht 1928 in dem Buch:
Der Künstler und die Erfüllung der Mysterien.
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Norbert
Beitrag vom 16.02.2010 - 20:40
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