TANJA
aus dem Rehabilitationszentrum "Woschozhdenije" der Mädchenstrafkolonie Rjazan
Guten Tag, verehrte
Anna Georgievna!*)
Zuerst möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Tanja. Verzeihen Sie, wenn ich nicht schön schreibe, aber ich bin ganz erfüllt. Als ich an diesen Ort kam, dachte ich, daß alles Gute beendet und die Zeit gekommen sei, nur noch das Böse zu sehen und zu fühlen. Aber zu meinem Erstaunen gibt es hier auch Gutes. Dieses Gute und auch Wunder bewirken Sie. Ich begeistere mich an Ihrer Seele, die wunderschön ist. In unserer Zeit werden wenig gute Taten begangen, aber Sie haben meine Gedanken in eine andere Richtung gewendet. Ich möchte Ihnen einen großen Dank sagen für Ihre Gaben. Und über das Rehabilitationszentrum kann man gar nicht genug Worte finden, es erinnert so an ein Zuhause, und gleich wird es im Herzen wärmer. Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mich nicht vergessen haben. Mit Verehrung und aufrichtiger Bewunderung sage ich Ihnen danke.
*) Frau Anne Hofinga vom Verein Rußlandhilfe wird in Rußland "Anna Georgievna" genannt

Im Februar 2006 wird das Rehabilitationszentrum „Woschozhdenije" der Mädchenstrafkolonie Rjazan vier Jahre alt. Als es 2002 gegründet wurde, war die Föderale Hauptverwaltung für das Strafwesen voller Skepsis, und die Verwaltung des Rjazaner Gebiets verweigerte die Finanzierung von Stellen für Fachpersonal. So entschied der Gründer und damalige Leiter des Zentrums Oberst Oleg Ananjev, das Rehazentrum aus eigener Kraft mit Mitarbeitern der Kolonie zu betreiben. Es gab zwar ein Konzept für die Arbeit, aber in der Realität bot es nicht viel mehr als eine ungefähre Orientierung für sinnvolle Rehabilitationsmaßnahmen. So haben die Mitarbeiter erst in der Praxis die Arbeitsansätze und -strukturen für die Sozialisationsmaßnahmen entwickelt.
Im Februar 2006 werden knapp 70 Waisen und Sozialwaisen das Rehazentrum durchlaufen haben. Sie wurden so effektiv auf ein selbständiges Leben vorbereitet, daß bisher noch keine von ihnen rückfällig wurde. Der Erfolg ist so augenfällig, daß in anderen Jugendstrafkolonien in Rußland heute verschiedene Nachahmungsmodelle entstehen. Leider gibt es im Rehazentrum nur acht Plätze. Um noch mehr Mädchen eine echte Chance für das "Leben danach" zu bieten, möchten wir das Zentrum langfristig gern auf 30 Plätze erweitern.
Chronologische Streiflichter aus der Arbeit der Rußlandhilfe 2. Halbjahr 2005:
Juli 2005: Die Eltern der schwer geistig behinderten Lisa F. (5 J.) aus Tver erhalten Hilfe für eine Diagnose und Therapie in Moskau. - Der Gehörlosenorganisation „Teresa" in Moskau werden 5 Hörgeräte übergeben. - Polly von Studnitz, Gattin des Deutschen Botschafters (1995-2002), besucht die Mädchenstrafkolonie Rjazan, trinkt Tee mit 60 Vollwaisen und berät über den künftigen Ausbau des Rehabilitationszentrums „Woschozhdenije".
August: Besuch in drei potentiellen Förderprojekten: der Organisation „Sedoj Ural" in Perm, die Wohnraum, Familienanbindung und Ausbildung für Waisen schaffen möchte, dem Auffangheim „Nadezhda" in Perm, das erfolgreiche Bürger zu Paten für die Begleitung von Sozialwaisen fortbilden möchte, und der Organisation „Doroga k domu" in Zhigulovsk, die Berufsausbildung für strafgefangene Jungen organisieren möchte. „Sedoj Ural", das in der Vorbereitung am vielversprechendsten erschien, wird vorerst nur Beratung erhalten, weil sich die Vorstellungen des Initiators als völlig realitätsfremd erwiesen. - Lebensmittelaktion in der Jungen-Strafkolonie Zhigulovsk, Gebiet Samara.
September: Rabijat B. aus Karatshaeva-Tsherkessk erhält die zweite Knieprothese. Irina R. aus Jaroslawl berät im Zentrum Perspektive Fördermöglichkeiten für ihren Pflegesohn Mischa (10 J., Down-Syndrom und Autismus). Tatjana P. aus Moskau erbittet Hilfe bei Brustkrebs. - Das Projekt „Pädagogen ins Verhör" erhält von der Stadt Moskau kostenlose Räume für die Arbeit mit Jugendlichen, die straffällig, aber nicht inhaftiert wurden. Gleichzeitig wird das Projekt zur selbständigen Rechtsperson. - Der Leiter des Waisenhauses Nikolskoje bei St. Petersburg lehnt aus eigener Initiative die Förderung des Projektes „Vorbereitung auf ein selbständiges Leben" ab, da unklar sei, wie lange er noch Heimleiter bleibe, und er nicht für eine ordnungsgemäße Abwicklung des Projektes garantieren könne. - Die „Schule des Heiligen Georg" in Moskau gewinnt den Malwettbewerb der Kölner Rückversicherung.
Oktober: Vertreter der Deutschen Botschaft fahren mit in die Mädchenstrafkolonie Rjazan zum Teetrinken mit 56 Vollwaisen und zur Verteilung von warmen Winterjacken. - Anne Hofinga erhält für ihre Gefangenenhilfe vom Föderationsdienst Rußlands für das Strafwesen einen hohen Orden, der eigentlich an Ausländer nicht verliehen wird. Vera A. aus Moskau erhält Hilfe beim Kauf einer Spezialbrille für ihre Tochter. - Der mobile pädagogische Dienst „Harmonie" des Zentrums Perspektive nimmt seine Arbeit mit verhaltensgestörten Kindern in zwei Moskauer Heimschulen auf. - Nachdem der Aufbau des Projekts „Holzlehrwerkstatt für lernbehinderte Jungen" in Demidov seit über einem Jahr stockt, weil der Direktor nicht nachvollziehbar abrechnete, übernimmt das Schuldepartement des Smolensker Gebiets die weitere Ausstattung der Werkstatt und garantiert den Beginn der Ausbildungstätigkeit für das Schuljahr 2006/2007. Pflegekinder der verstorbenen L.V. Demjantshik von der „Schule für Pflegeeltern" erhalten zum Einzug in die ersten eigenen Wohnungen Fernseher, die das Moskauer Hotel Baltshug-Kempinski spendete.
November: An Pflegefamilien des Förderprojekts „Schule für Pflegeeltern" werden gebrauchte Kleidung und Schuhe verteilt. - Das Projekt „Pädagogen ins Verhör" erhält Unterstützung bei der Renovierung und Ausstattung der neuen Räume. - Rußlandhilfe und Zentrum Perspektive nehmen mit einem eigenen Stand am Adventsbasar in der Deutschen Botschaft teil. - Die Kölner Rückversicherung veranstaltet für ihre Kunden in der Deutschen Botschaft einen Wohltätigkeitsabend zugunsten von Rußlandhilfe und Zentrum Perspektive. Dabei treten Kinder aus den Projekten in Archangelsk, Vjazma und Moskau auf, und es gibt eine fröhliche Auktion von Kinderbildern. - Das Sozialwerk „Tanadgoma" in Tiflis, Georgien, hat seit Mai zusätzlich zu den ständig Betreuten 24 notleidende Kranke kostenlos behandelt und Arznei verteilt.
Dezember: Das Waisenhaus in Nikolskoje bei St. Petersburg erhält Nähmaschinen und Computer für die Arbeit mit den älteren Kindern. - Die Rußlandhilfe darf am Winterbasar des „International Women's Club of Moscow" am Tisch der Deutschen Botschaft Artikel aus den Förderprojekten verkaufen. - Die „Schule des Heiligen Georg" erhält Hilfe beim Einbau von Meßgeräten für die Fernheizung. Nur so lassen sich die immensen Heizkosten drastisch senken. - Das 6. Moskauer Kinderkrankenhaus erhält das dringend benötigte mobile Ultraschallgerät für Frühgeborene und Kleinkinder. 200 arme Kinder aus Förderprojekten m und um Moskau besuchen Weihnachtsvorstellungen in Moskau und erhalten kleine Gaben. - Weihnachtsfeier im Zentrum Perspektive für Vertreter aus den Projekten, Mitarbeiter, Helfer, Freiwillige und Freunde. - Teetrinken mit den Vollwaisen, Lebensmittelaktion und Weihnachtsfeier für alle 450 gefangenen Mädchen in der Mädchenstrafkolonie Rjazan.
Spendenkonten der Rußlandhilfe e.V.
... in Deutschland
Konto 30 10 30 10, BLZ 430 609 67
GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum
(SWIFT-BIC: GENODEM1GLS, IBAN: DE33 4306 0967 0030 1030 10)
... in der Schweiz
Postfinance Basel 40-791123-8
Nähere Informationen zur Arbeit der Rußlandhilfe erteilt Ihnen gerne
Herr Kai Hof
Hainer Hof 1 - DE-60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069-13 88 68 40 - Fax: 069-13 88 68 41 - E-Mail